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Der Ur-Sprung als Bungee-Sprung
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Geburt, Jagd und Krieg in steinzeitlichen Fels- ritzungen
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Das Mammutelfenbeinchen

Bei einer Ausgrabung in Sibirien wurde in der Nähe der Ortschaft Malta am Baikalsee auch eine kleine (13,5 x 8 cm) Platte aus Mammutelfenbein gefunden.Sie ist auf beiden Seiten durch Einkerbungen verziert und hat in der Mitte ein Loch, durch das vermutlich eine Schnur gezogen war, damit die Platte als Amulett getragen werden konnte. Verschiedene AutorInnen sind sich zwar in der Altersangabe nicht einig, aber stimmen darin überein, daß auf einer Seite drei (Kobra-)Schlangen abgebildet sind. Das Symbol der Schlange wird häufig mit dem Tod oder einem Übergang ins Totenreich in Zusammenhang gebracht. Diese Deutung als Schlange mag auf den ersten Blick einleuchtend sein, ich möchte hier dennoch widersprechen und dafür zunächst einmal zwei verhältnissmäßig formale Gründe anführen.
1. Schlangen können ihren Körper zwar eng einrollen, aber sie bringen ihn nicht wie die Objekte auf dem Amulett in scharfkantige Winkel von über 90°.
2. Schlangen sind am Schwanzende nicht offen. 
In dem Aufsatz Die fötalen Ursprünge der Geschichte erläutert Lloyd deMause deutlich, was ihn zu der Ansicht geführt hat, daß Vorgeburts- und Geburtserfahrungen normalerweise tiefe traumatische Prägungen bei jedem Menschen hinterlassen. In diesem Zusammenhang beschreibt er eindrucksvoll ein Objekt, zu dem die Menschen einen wesentlich lebendigeren Bezug haben als zu Schlangen: die Nachgeburt, bestehend aus Placenta und Nabelschnur. Dieses Objekt kann als ein scheibenförmiges Gebilde dargestellt werden, das in einen schlauchartigen Fortsatz übergeht, der vielfach geknickt und gedreht auf dem Boden liegt und ein offenes Ende hat. Orientiert man sich am Ansatz von deMause, müssen die Objekte auf der Elfenbeinplatte als Placenta-Nabelschnurgebilde angesehen werden. Nachgeburtsbilder lassen sich nach diesem Schema vielerorts und in mannigfaltigen Ausfertigungen finden, aber bisher werden sie sehr selten auch als solche erkannt und oft als Schlange gedeutet. Es ist wohl ein Problem der affektiven Abwehr, mit der in unseren Kulturkreisen der Nachgeburt gegenüber getreten wird. Denn wenn eine symbolische Deutung derartiger Zeichen als Schlange nicht mehr hält, greift man gerne zu allen möglichen anderen Erklärungen (Fische, Tierschwänze, Gedärme oder ähnliches), höchst ungern allerdings zur Placenta und Nabelschnur. Obwohl die Nachgeburt ein lebensnotwendiges Organ ist, wie z.B. Herz oder Leber, gilt ihr nicht gerade eine große öffentliche Aufmerksamkeit; eher wird sie, peinlich berührt, beseitigt. Wenn aber z.B.in den europäischen Gesellschaften bis weit in das 20. Jahrhundert hinein eine weitgehende Wahrnehmung dieses Organs dadurch behindert wird, daß Geburten hinter verschlossenen Krankenhaustüren stattfinden und zukünftige Väter lieber in die Kneipe gehen, als den Müttern während der Geburtswehen Beistand zu leisten, ist es auch nicht verwunderlich, wenn einigen Forschern der Blick für dieses Objekt abhanden gekommen ist. Nun kann man allerdings die hartnäckigen und vielen Fehldeutungen nicht anhand eines einzigen Amuletts außer Kraft setzen, zumal es von seiten der Psychohistorie auch nur Theorien gibt, in welchem Zusammenhang es entstanden sein kann.
Im Gegensatz zu diesem einzigartigen Amulett lassen sich aber viele Felsgravierungen finden, bei denen fast identische "Schlangenlinien" nicht allein auftreten. An Höhlenwänden, Felsüberhängen, freistehenden Steinblöcken oder großflächigen Felskuppen gibt es auf der ganzen Welt Bildgruppen mit verschiedensten Symbolen. Und in diesem Umfeld wird nun die Deutung vielfach bekräftigt, die ich für die sogenannten Schlangen vorschlage: daß die Zickzack- oder Wellenlinien, die mit einem Kreis verbunden sind, in der prähistorischen Kunst symbolisch für Nabelschnur und Placenta stehen. Denn die Symbole für die Nachgeburt befindet sich sehr häufig in szenischen Zusammenhängen, die, mit einfachen Strichen gezeichnet, eine Geburt darstellen. Auch mit dieser Deutung widerspreche ich dem bislang gültigen Stand der Wissenschaft. Ich behaupte, daß die Zeichen jedoch eine sehr eindeutige Sprache sprechen und komme zu den Schwierigkeiten der Wissenschaft später. Neben vielen geometrischen Zeichen ist in diesen Bildern eine gebärende oder aus dem Unterleib blutende Frau als zentrale Figur zu erkennen. Dabei werden immer wieder die angewinkelten gespreizten Beine betont, zwischen denen eine Linie die Nabelschnur, auslaufendes Fruchtwasser oder Blut darstellt. Vereinzelt ist zwischen oder neben den Beinen auch eine kleinere Figur zu sehen, die das Neugeborene versinnbildlicht. Derartige Bildkompositionen sind keine regionalen Besonderheiten, sondern lassen sich auf allen Kontinenten finden. Ich möchte hier nur kurz drei Beispiele etwas genauer beschreiben.

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